Livefoto Ok Go

Beurteilt man eine Band lediglich nach ihrem musikalischem Output, kann man über OK Go nicht viele gute, aber auch nicht viele schlechte Worte verlieren. Eine solide Band, welche das Rad nicht neu erfindet, keinem weh tut, ein paar gute Songs geschrieben hat und auch häufig live zu sehen ist, mehr aber auch nicht.

Betrachtet man aber das Gesamtwerk, offenbart sich das Konzept hinter ihrem Schaffen. Die Musik tritt in den Hintergrund, während Videos, Online-Aktivitäten und Live-Performances für den Bekanntheitsgrad sorgen. Und der Erfolg kann sich sehen lassen, alleine das Video zu “Here It Goes Again” wurde beeindruckende 48 Millionen mal auf youtube gespielt.

http://www.vimeo.com/8267567

Folgender Vergleich ist etwas weit hergeholt, aber dennoch interessant:  Den 48 Millionen youtube-Plays dieses Videos stehen jeweils nur knapp 12 Millionen Plays bei last.fm und myspace aller verfügbaren Songs der Band gegenüber.  last.fm verfügt natürlich nicht annähernd über die youtube-Reichweite, dennoch zeigt sich, dass deren Musik für sich genommen nicht so viele Menschen erreicht. Wäre “Here It Goes Again” auch so ein Hit geworden, hätte man ein alltägliches Video produziert? Wohl nicht.

Das soll aber den Output der Band nicht schmälern, immerhin haben sie in der Folge eindrucksvoll bewiesen, dass sie das Gesamtpaket weiterentwickeln. Sei es durch fortschrittliche Nutzung des Internets als Distributions- und Kommunikationskanal, aber auch in der Entwicklung neuer, innovativer Videos. Folgend 3 Videos, welche zwar nicht zu Internet-Hypes wurden, dennoch zu empfehlen sind:

http://www.vimeo.com/8266133 http://www.vimeo.com/10012635 http://www.vimeo.com/8528144

Heute haben sich OK Go von Ihrem Plattenlabel EMI getrennt, um zukünftig auf ihrem frisch gegründeten Label Paracadute zu veröffentlichen. Dieser Schritt macht Sinn und ist konsequent, da OK Go in letzter Zeit  mehr Schaden als Nutzen, durch die Zusammenarbeit mit dem Major erfuhr. EMI deaktivierte vergangenen Januar kurzerhand die Möglichkeit Videos von OK Go in Blog- oder Newsposts einzubetten. Schlagartig sanken die täglichen Hits auf ihr frisches Video der Single “This Too Shall Pass” von 10.000 auf 1.000, was der viralen Verbreitungsmethodik von OK Go einen gewaltigen Strich durch die Rechnung machte und Unmut erzeugte.

http://www.vimeo.com/8718627

Vor einigen Tagen erschien das neueste Video der Chicagoer, abermals zu dem Song “This Too Shall Pass”. Es machte bereits seine Runde durch die gesamte Blogosphäre und hat seit dem Release am 01.03. schon bemerkenswerte 6,9 Mio. Plays erzeugt. Ich bekomme diesen Song schon seit Tagen nicht mehr aus dem Ohr und auch das von Syynlabs produzierte Video ist absolut sehenswert. Klar,  Videos von sogenannten “Rube Goldberg Machines” gab es schon zuhauf, nur habe ich bisher noch keines in solch einer Dimension gesehen.

YouTube Preview Image

Eine berechtigte Frage stellt sich dennoch: Wie kann man diesen Erfolg monetarisieren? Sicher führen 48 Mio. Plays auch zum ein oder anderen Albumkauf, aber kann sich diese Band mittels viralen Marketings, ohne Zusammenarbeit mit Major-Labels, erfolgreich halten und genug Geld abwerfen? OK Go und allen anderen Bands ist zu wünschen, dass dies möglich ist.