Am 06.04. war es soweit: Meine Konzertsaison 2010 wurde offiziell eröffnet.

“The Unwinding Hours” gaben sich in Köln die Ehre. Die neue Band der “Aereogramme”-Köpfe Craig B und Iain Cook veröffentlichte vor kurzem das selbstbetitelte Debüt und befindet sich aktuell auf Tournee durch Europa. Genau genommen könnte man auch D/A/CH-Tour sagen, denn bis auf die Toureröffnung in Glasgow, finden alle Gigs im deutschsprachigen Raum statt.

The Unwinding Hours v. @_allroy

Der Abend beginnt mit einer entspannten Anreise Richtung Köln und der anschließenden Suche nach Lokation sowie Ticket. Ich habe die Vermutung, dass schon sehr viele Leute einfach an der Werkstatt vorbei gelaufen sind. Unscheinbar befindet sich neben dem, großzügig beschilderten, Getränkemarkt eine dezente Tür zur Halle. Ich habe den Eingang nur durch die erkennbare Zunahme biertrinkender Personen ausmachen können.

In der Werkstatt kam ich also pünktlich an, während mir der Einlass zum Getränkeladen verweigert wurde. Feierabend. Eine ökonomisch nicht nachvollziehbare Entscheidung, zieht man die ungefähr 100-150 durstig Wartenden auf dem Hof in Betracht. Ohne Aufwärmbier bewaffnet, muss ich also @_allroy ausfindig machen, um mir die Eintrittskarte zu schnappen. Knifflig, wenn man sich noch nie begegnet ist.

Nach längerer Suche und klärendem Telefonat finden wir uns, das Ticket wird getauscht und anschließend ein Bier getrunken. Kurz darauf beginnt auch die Vorband “Instrument” aus Bayern. Schwer einzuschätzen. Sind sie einerseits stilistisch flexibel und punkten mit schön strukturierten Melodien sowie atmosphärischen Passagen, variieren die Songs, ganzheitlich gesehen, sehr stark.. Der Opener klingt post-rockig, während sie im zweiten Lied an gewissen Stellen sogar tanzbar, ein bisschen brit-poppig, klingen. Solche Stilbrüche treten häufiger auf, wobei ein Stück für sich selbst gut funktioniert.

The Unwinding Hours v. @_allroy

Danach ist es Zeit für “The Unwinding Hours“. Der Umbau geht flott von statten und um ca. 22 Uhr  beginnen die Schotten mit “The Final Hour”. Nach ruhigem Beginn, steigt der Lautstärkpegel deutlich und Mr. B. und Mr. Cook zeigen, dass sie das Spiel mit den Lautstärken noch perfekt beherrschen. Der Sound, zwar nicht annähernd brutal, wie bei Aereogramme-Knüppeln der Sorte “Wood” oder “Shouting For Joey“, ist ebenso intensiv und packend. Es folgen sämtliche Lieder des Erstlings inkl. mehrerer Zugaben. Mir gefallen besonders “Tightrope” und das epische “Knut”, welches seine ganze Energie live entfaltet und an Intensität eine Schippe zupackt. Auf Platte, wie auch live, mein Favorit.

Die kompletten 90 Minuten über herrscht eine angenehme Atmosphäre in einem gemütlichen Saal und bei dankbarem Publikum. Craig B dankte im Anschluss an “Traces” gar dem Publikum, dass es an den richtigen Zeitpunkten ruhig blieb ist und die Songs wirken ließ.. Als Zugabe wird, zur Überraschung aller, “Descending” von Aereogrammes “A Story in White” gespielt. Anfangs noch abgelehnt, ertönt jetzt also doch ein Lied aus “Aereogramme”-Zeiten. Mein Wunsch nach dem oben erwähnten “Wood” oder “Yes” des Zweitwerks “Sleep And Release” bleibt erwartungsgemäß unerfüllt, doch einer Cover-Version des John Parr-Songs “Restless Hearts” folgt das zweite Stück aus früheren Tagen: “The Art Of Believe” von der “White Paw”-EP.

Ein gelungener Musikabend endet mit dem Kauf eines schnieken Shirts und einer gründlich verkorksten Heimfahrt nach Düsseldorf. Davon wusste ich zum Zeitpunkt der Abreise aber noch nichts.

(Die Fotos stammen allesamt von @_allroy, den ich endlich kennenlernen durfte und welcher das Glück hat, die Band während der Tour zu begleiten. Vielen Dank, Rainer!)

The Unwinding Hours v. @_allroyThe Unwinding Hours v. @_allroy