As the years go by I crawl through your veins. Wieder ist ein Jahr voller Pollterabende verstrichen und ich habe Euch jede Woche von den fünf Bands/Musikern berichtet, die mich in dem jeweilgen Zeitabschnitt am meisten beschäftigt haben. Das inzwischen etablierte Punktesystem, welches ich auf die 52 Ausgaben angewandt habe, liefert mir so eine Liste, deren 20 Top-Acts ich hiermit in Fünfer-Päckchen publik mache.

Das finale Quintett folgt in Countdownform:

Platz 5: Interpol

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Hall Of Fame

Das erste Album, welches Interpol nicht in Originalbesetzung geschrieben und aufgenommen haben, hört auf den Namen “El Pintor”. Beim Titel handelt es sich nicht nur um die spanische Übersetzung für “der Maler”, sondern auch um ein Anagramm des Bandnamens. Vier Jahre sind seit dem Release des Vorgängers schon verstrichen. Damals belegten die New Yorker Platz 2 in unserer Jahresbilanz. Da die Positionen von zwei bis fünf dieses Mal nur Marginalien trennen, kann man durchaus davon reden, das Niveau gehalten zu haben.

Musikalisch hat sich durchaus etwas geändert, wenn man sich auch unverkennbar treu gebleiben ist. Die Gitarren spielen meist hohe Töne, flirren noch etwas häufiger als bisher. Paul Banks Stimme ist eh eine Bank. Wo diese Truppe diese unnahbare Coolness allerdings herholt, bleibt auch weiter ihr Geheimnis. Mit dem Opener “All The Rage Back Home” liefert man kurzerhand einen Überhit.

http://www.vimeo.com/104415694

Platz 4: This Will Destroy You

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Was bleibt am Ende von 2014? Ich werde mich wohl noch lange an den Buzzer-Beater von Vince Carter für die Mavs in Spiel 3 der Playoff-Serie gegen San Antonio erinnern. Klar, die Fußball-Weltmeisterschaft hat den Sommer zu einem legendären gemacht. Auch der bereits auf Platz 10 erwähnte Euryale-Abend war einer, für den sich leben einfach lohnt. Aber dürfte ich einen Tag nochmal erleben, ich suchte mir den 8. September aus. Mit zwei meiner Lieblingsmenschen nach Hamburg und am Abend This Will Destroy You sehen und hören. Denn was die vier Männer da geboten haben, war unnachahmlich; ein Aufbau, eine Intensität und Atmosphäre, die meine Erwartungen absolut gesprengt haben. Noch nie habe ich mir gleich zwei Shirts einer Band auf einem Gig gekauft. Damals war Premiere.

Da die Amerikaner mit “Another Language” auch ein neues Werk vertont haben, ich meine Sammlung im Laufe der Monate zusätzlich um “Tunnel Blanket” und “Young Mountain” erweitert habe, springt als Konsequenz ein elitärer 4. Platz in der Summe heraus.

http://www.vimeo.com/36030548

Platz 3: Architects

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Da sind sie ja wieder. Waren die Briten 2012 für mich doch sehr überraschend auf Platz 5 der Jahrescharts gelandet, bestätigen und überbieten sie mit dem Output “Lost Forever // Lost Together” diese Leistung und beweisen ihre Qualität erneut. Auffallend ist, dass sie sich hier von dem auf “The Here And Now” eingeschlagenen Weg hin zu ruhigerer, fast schon radiotauglicher Musik, “Daybreaker” folgend, weiter wegbewegen und damit gegen den allgemeinen Trend agieren. Textlich überzeugen Architects durch sozialkritische Reflexion aktueller Themen. Nicht nur dahingehend kann es niemand mit “Broken Cross” aufnehmen:

http://www.vimeo.com/98051775

Platz 2: Alpha Male Tea Party

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Kurz vor der Spitze haue ich dann noch mal eben einen echten Geheimtipp raus. Ein Trio aus Liverpool, dass irgendwo zwischen And So I Watch You From Afar und You May Die In The Desert seine Hummeln im Hintern auslebt. “Droids”, das Album aus dem Juni 2014 rückte sie ins Feld meiner Wahrnehmung. Ein so hyperaktives Stück Musik hatte ich schon lange nicht mehr gehört und brauchte nach einer zweistelligen Zahl an Hördurchgängen einfach mehr davon. Im Laufe der Zeit schaffte ich mir quasi aus Kausalitätsgründen die “Real Ale And Model Rail – The Lonely Man’s Guide To Not Committing Suicide EP” und das Debüt-Album “AMTP” an. Auch in meinem Freundeskreis konnte ich mit diesem Musiktipp immer wieder punkten, was das Potential der Gruppe verdeutlicht. Alles begann für mich mit “You Eat Houmous, Of Course You Listen To Genesis”:

http://www.vimeo.com/87772225

Platz 1: Junius

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Letztes Jahr zur gleichen Zeit wusste ich, es existiert eine Band namens Junius. Heute sind sie der Musikact des Jahres 2014. Was in der Zwischenzeit geschehen ist in Kurzform:

Im Februar hörte ich im Newsbereich der Onlinepräsenz des Musikmagazins Visions einen Vorgeschmack auf ihre anstehende EP “Days Of The Fallen Sun”. Er gefiel mir derart, dass ich mir vornahm zum Release des Produktes käuferisch tätig zu werden. Ich hatte die Meldung übrigens nur angeklickt, weil dort Neuigkeiten zur den Deftones verkündet wurden. Da ein Blutwurstaffe zu 99% Wort hält, wurde ich nach erfolgreicher Umsetzung des Plans mit einem Digipack belohnt, welches vier Songs enthält, denen jeweils ein Introtrack vorgestellt ist. Das letzte Mal, dass mich eine Postband mit cleanem Gesang auf Anhieb so überzeugt hat, waren es die fantastischen I Like Trains. So begann ich den Backkatalog von Junius aufzuarbeiten. Die Platten “Reports From The Threshold Of Death” von 2011 und “The Martyrdom Of A Catastrophist” von 2009 halfen sehr dabei, sich die Krone des Blogs aufzusetzen. Sie verdeutlichten mir, eine Band von Format entdeckt zu haben, die auch auf Albumlänge komplett überzeugt.

Bei Junius passt für mich einfach alles; der Gesang dominiert nicht, er fügt sich erhaben ein. Die Gitarren stolzieren von doomig über treibend bis hin zu melodiöser Sehnsucht. Die Rhythmussektion (Bass+Schlagzeug) initiiert immer wieder Wechsel und Steigerungen in längeren Parts. Aber über allem prunken Keyboards, meist von chorale Gestalt, wie sie Type O Negative nicht schöner hätten einflechten können.

Anscheinend verweilen die Herren derweil auch wieder im Studio, um mich und uns bald mit neuem Stoff zu versorgen. Um die Wartezeit zu versüßen, habe ich mir gerade die CD “Junius” zugelegt, auf der die Bostoner 2007 ihre frühen EPs “Forcing Out The Silence” und “Blood Is Bright” zusammengefasst haben. Und das Titelstück ersterer ist der absolute Burner! Feed My Frankenstein:

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Die nächsten 5:

21. Biffy Clyro (2010: 14. Platz, 2012: 3. Platz, 2013: 2. Platz)

22. Doomina

23. Crippled Black Phoenix (2012: 18. Platz)

24. Kaiser Chiefs

25. Primus (2011: 19. Platz. 2012: 6. Platz)